Das Auswahlverfahren der Studienstiftung

Das Auswahlverfahren der Studienstiftung

Hey, du wurdest für ein Stipendium der Studienstiftung vorgeschlagen? Dann kannst du auf jeden Fall stolz auf dich sein und dich glücklich schätzen, denn dieses Privileg haben nicht viele! Damit du dich gut darauf vorbereiten kannst und weißt, was dich erwarten wird gebe ich dir hier ein paar kleine Einblicke in mein Auswahlseminar und ein paar Tipps, wie du das Wochenende super meisterst!

Zunächst solltest du auf jeden Fall darauf achten, dass du die Einladung beantwortest und sich dein Status in „Zusage“ ändert. Für die Vorbereitung solltest du je nach dem wie viel voll deine Wochen sind 1 – 2 Wochen einplanen, um stressfrei und selbstsicher hinzufahren.

Der Ablauf:
Am Freitag reisen die meisten gegen 17 Uhr an. Ich selber war in einem 6er Zimmer, was wirklich viel Spaß gemacht hat und eine super Erfahrung war. Wir waren 4 Humanmediziner, eine Landwirtschaftsstudentin und eine Tiermedizinerin. Insgesamt waren wir alle sehr gemischt. Von Politikwissenschaften, Informatik, Jura, Sozialwissenschaften bis hin zu Lehramt und Medizin war wirklich alles dabei! Bei meinem Seminar waren besonders die Humanmediziner stark vertreten. Nutz die Zeit auf jeden Fall um dich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen und Freundschaften zu schließen, denn das war unter anderem das Beste an dem Wochenende! Ich kann natürlich nur von meinen Erfahrungen sprechen, aber bei mir waren wirklich super interessante und nette Leute dabei, sodass ich das Wochenende wirklich sehr genossen habe. 18 Uhr gibt es Abendbrot und im Anschluss eine kleine Infoveranstaltung, bei der sich die “Prüfer“ vorstellen und du nochmal genaueres über die Studienstiftung und deren Leitbild erfährst. Bei uns hang im Eingangsbereich unser Ablaufplan, auf dem die Uhrzeit und unser “Prüfer“ draufstand. Daher kann ich es empfehlen, sich vorher mit diesem Plan vertraut zu machen, um dann bei der Vorstellungsrunde der “Prüfer“ besonders auf deine “Prüfer“ zu achten bzw. dir ein paar Infos zu merken. Aber keine Sorge, so wichtig ist das auch nicht! Nach der Veranstaltung haben sich einige noch in einem Aufenthaltsraum unterhalten oder nochmal ihren Vortrag geübt. Ich kann dir aber auf jeden Fall empfehlen, dich nicht wahnsinnig zu machen/machen zu lassen und zeitig ins Bett zu gehen, denn der Samstag wird ein anstrengender Tag!

Am Samstag gab es ab 8 Uhr Frühstück, wobei mein Zimmer und ich schon ein paar Minuten früher hingegangen sind, um nicht so lange anzustehen und um möglichst wenig von der Aufregung der anderen mitzubekommen, denn das macht einen dann doppelt nervös. Ich hatte immer einen kleinen Block und Stift dabei, um während der Diskussionen mitschreiben zu können, aber auch um mir meine Zeiten bzw. Termine aufzuschreiben, sodass ich nicht ständig an dem schwarzen Brett nachschauen muss. Es ist günstig, wenn man immer rund 10 min früher da zu sein, um nochmal durchatmen zu können und um auf keinen Fall zu spät zu kommen. Man hat verteilt über den ganzen Tag rund 5 Diskussionen an denen man teilnimmt und 1 Vortrag, den man halten muss. Während der Diskussionen, an denen man teilnimmt ist es nützlich sich ein paar Ideen und Gedanken zu notieren, da später so viele verschiedene Meinungen gesagt werden und man die eigene schnell vergisst. Es hilft bestimmt, nicht zu viel zu sagen und darauf zu achten, dass alle mit einbezogen werden. Es kommt nie gut, wenn man egoistisch ist und versucht sein eigenes Ding durchzuziehen. Aber trotzdem solltest du dich nicht unterbuttern lassen und versuchen dich einzubringen. Ich denke es ist von Vorteil, dass das was du sagst gut durchdacht ist und alle verdutzt und dadurch nochmal neue Sichten und Fragen aufgeworfen werden. Daher denke ich, dass es besser ist kurz, knapp aber auch knackig zu reden. Die Vorträge sollen genau 7min gehen, daher solltest du ihn auf jeden Fall schon mal zu Hause 2 – 3 mal durchsprechen und die Zeit stoppen. Um so häufiger man den Vortrag übt, um so mehr sitzt auch die Wortwahl, denn bei 7 min muss man echt alles rausholen! Es ist erlaubt das Handy zu nutzen, da man dort eine Stoppuhr einstellen kann (auf einer Armbanduhr erkennt man nicht so gut, wann die 7 min vorbei sind und schaut vielleicht vor Aufregung auch nicht drauf). Bei uns war es so, dass wir im Kreis um zwei zusammengeschobene Tische saßen und der “Prüfer“ sich ein bisschen weiter weg an einen Tisch gesetzt hat und einfach zugehört hat. Manchmal haben wir sogar noch nach Ablauf der Zeit und Beendung der Diskussion weiter gequatscht (sogar der “Prüfer“ hat dann mitgeredet). Zum Vortrag ist noch hinzuzufügen, dass es gut ankommt, wenn man ca. 1 min oder 30 sek vor Ablauf der Zeit insgesamt (also nach 19 min) das Wort als Moderator ergreift und ein Fazit zieht und somit die Diskussion beendet. Es ist aber auch möglich (und wenn das gut läuft, kann das sicher auch super ankommen) die Diskussion mit einem offenen Ende enden zu lassen. Da sind also keine Vorgaben bzw. Grenzen gesetzt! Also kann man kreativ werden und sich was einfallen lassen. Ich selber habe mir Karteikarten geschrieben und diese in der Hand gehalten und gestanden, da ich so immer meine Voträge halte. Aber auch da gibt es keine Vorgaben, außer, dass man KEINE Medien nutzen darf/sollte (PowerPoint, Beamer, Laptop, …). Aber ob man steht, sitzt, Karteikarten nutzt oder auch nicht ist dir überlassen. Ich hatte zum Verständnis 2 Bilder ausgedruckt und diese während meines Vortrages gezeigt. Also falls du gerne irgendwas darstellen möchtest, ist das eine Möglichkeit. Jedoch sollte man es da auch nicht übertreiben, denke ich. Ich habe meinen Vortrag übrigens folgendermaßen gegliedert: Zuerst habe ich Definitionen rund um das Thema geklärt, dann ein paar Sachen erklärt, Beispiele genannt und kurz vor der Diskussion noch ein paar Fakten genannt, um meinen Diskussionspartnern ein paar Unterstützungen für ihre Argumente zu geben. Den Übergang von Vortrag zu Diskussion muss man selber machen. Ich habe dafür meine Gruppe in eine Situation versetzt, eine Frage gestellt und sie abstimmen lassen. Dann habe ich die Situation umgedreht und erneut abgestimmt und direkt die Mitglieder angesprochen und gefragt, wieso sie so oder so gestimmt haben. Die Diskussion nimmt dann eigentlich (zumindest war es bei uns immer so) von alleine Fahrt an. Ich habe als Moderator versucht die Diskussion zu leiten, in dem ich darauf geachtet habe, dass jeder gleich oft dran kommt und sprechen kann und keiner dem anderen ins Wort fällt. Außerdem habe ich mir vorher schon ein paar diskussionsanregende Fragen aufgeschrieben, die ich zwischendurch mit eingebracht habe. Am Ende habe dann noch ein Fazit gezogen und einen kleinen Ausblick in eine mögliche Zukunft gegeben, mich bei den Teilnehmern bedankt und somit meinen Vortrag abgeschlossen. Zwischendurch hat man irgendwann noch sein Einzelgespräch, was 35 min geht. Auch die Zeit geht echt schnell um! Dazu ist es auf jeden Fall hilfreich sich nochmal intensiv mit seinem Lebenslauf zu beschäftigen und nochmal genauere Infos über die einzelnen Ereignisse rauszusuchen. Die Daten braucht man nicht im Kopf zu haben, aber bei mir z.B. wurden sehr detaillierte Fragen zu einzelnen Ereignissen gestellt, die ich ohne mich damit zu beschäftigen nicht mehr aus dem Kopf gewusst hätte. Ansonsten sollte man ein paar Tage vorher anfangen regelmäßig Nachrichten zu schauen und sich mit aktuellen Geschehnissen (besonders Politik) auseinandersetzen, zumindest grob. Bei mir wurde z.B. gefragt, was mich politisch derzeit interessiert, was ich vom NC als Zulassungsbeschränkung für Medizin halte und wie ich über die Bürgerversicherung denke. Das waren alles zu dem Zeitpunkt aktuelle Themen. Fachlich wurde ich nichts gefragt und ich habe auch von niemandem gehört, dass das der Fall war. Lediglich Sachen wie „Weshalb studieren Sie Medizin?“ wurde ich gefragt. Ansonsten sollte man vielleicht schauen, ob es zu gerade aktuell irgendwas in den Nachrichten zum eigenen Studienfach gibt (bei mir waren es die Diskussionen um den NC). Aber auch wenn man auf manche Fragen keine Antwort hat, bleiben die “Prüfer“ sehr nett und bohren nicht lange nach. Man kann das Gespräch auch ein bisschen leiten und in eine bestimmte Richtung führen. Also wenn man nicht unbedingt auf Politik hinaus will, sollte man vielleicht nicht nebenbei was davon erwähnen und so viel wie möglich von alleine über die gestellten Fragen sprechen, sodass wenig Zeit für unerwünschte Fragen bleibt. Das Gespräch war bei mir wirklich locker und keineswegs unangenehm oder förmlich. Ich denke man sollte einfach man selbst sein und sich treu bleiben.
Am Ende des Tages sind wir alle ins Bett gefallen und waren völlig k.o.! Aber es hat auch wirklich großen Spaß gemacht und war super interessant!

Am Sonntag hat dann jeder noch ein weiteres Einzelgespräch und darf danach abreisen.
Achso, zwischendurch gab es natürlich Mittags- und Kaffeepausen. Das Essen war auch total lecker und es gab viel Auswahl!

Meine Tipps:
Ich hatte mir einen Schokoriegel und Apfel mitgenommen, da ich wusste, dass ich, wenn ich aufreget bin, nicht so viel essen kann und zwischendurch Hunger bekommen werde. Auch für die Nerven und Seele hat mir der Schokoriegel den Po gerettet!
Versuch nicht nur an das Stipendium zu denken, sondern nutze die Gelegenheit auch, um dich selber zu testen und es als eine Übung mitzunehmen. Außerdem kann man soooo viele tolle Menschen kennenlernen und auch in den Pausen super interessante Gespräche führen. Am Ende kommt es doch darauf an, dass das Wochenende toll war und nicht, dass man unbedingt das Stipendium erhält.
Man hat zwischendurch manchmal sogar über 2 Stunden Zeit. Falls du also noch irgendwas zu tun hast, nimm das ruhig mit. Wir hatten einen Tisch und Stühle in unserem Zimmer, an dem z.B. eine aus meinem Zimmer oft saß und gelernt hat. Ansonsten solltest du dir auf jeden Fall ein Buch, Musik oder irgendwas mitnehmen.

Such dir ein Thema für deinen Vortrag raus, das dich selber auch wirklich interessiert. Denn du musst dich viel damit beschäftigen und schlägst somit 2 Fliegen mit einer Klappe! Außerdem sollte es ein Thema sein, über das man gut und einfach diskutieren kann und zu dem JEDER irgendwas sagen kann.

Am Freitagabend liegt eine Liste aus, in der jeder sein Vortragthema eintragen soll. Dort kannst du auch sehen, wer zu deiner Gruppe gehört und über was er/sie spricht. Vielleicht hilft es dir und beruhigt dich, dich schon mal mit deinen Gruppenpartnern zu unterhalten und über die Themen zu reden, um schon mal ein paar Infos zu sammeln und dir schon ein paar Gedanken machen zu können. Einige von uns haben am Abend nochmal im Internet nachgelesen, wenn Themen dabei waren, über die sie noch nichts gehört haben. Ansonsten fand ich es auch hilfreich zu erfahren, worauf die Vortragenden in ihrem Vortrag hinaus wollen. Manche haben sogar ein paar tolle Argumente preisgegeben! Somit konnte ich viel beruhigter in die Diskussionen gehen und hatte keine Angst, dass mir gar nichts einfällt bzw. dass ich das Thema nicht verstehe.

Überlege dir vielleicht am Freitagabend während sich alle “Prüfer“ vorstellen, was du deinen am Ende des Einzelgespräches vielleicht fragen könntest. Meist fragen sie nämlich am Ende, ob man noch Fragen hat. Ich habe z.B. gefragt, was ihnen besonders gut an dem Stipendium gefallen hat (denn die meisten waren selbst Stipendiaten). Bei meiner anderen “Prüferin“ habe ich bei ihrer Vorstellung gehört, dass sie im Ausland war während des Studiums und habe sie dazu befragt.

Dein Outfit sollte weder underdressed noch overdressed sein. Ich hatte damals zuerst eine Jeans, einen Blazer und ein Top an und am zweiten Tag dann eine Bluse und eine schwarze Jeans. Da man ziemlich aufreget ist und dadurch doch etwas mehr schwitzt, kann ich einen dicken Pulli eher nicht empfehlen.

Vielleicht ist es auch hilfreich sich schon mal mit dem Leitbild der Studienstiftung vertraut zu machen, auch wenn man am Freitagabend nochmal ausreichend darüber informiert wird.

Sei falls du abgelehnt wirst auf keinen Fall enttäuscht! Niemand weiß so wirklich, weshalb genau der oder der genommen wird. Im Absagebrief soll es darüber auch keine Auskunft geben, denn dafür ist keine Zeit. Aber lass dich davon nicht runterziehen und zweifle nicht an dir. Am wichtigsten ist unterm Strich, dass du zufrieden mit dir selbst bist und es wieder so machen würdest! Außerdem gibt es noch sooo viele andere Stipendien, die auf dich warten!

Ich hoffe ich konnte dir einen kleinen Einblick geben und dir ein bisschen Angst und Aufregung nehmen. Falls du noch irgendwelche Fragen hast, schreib mir einfach!

Deine Stephy 🙂



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