Durchgefallen? Na und!

Durchgefallen? Na und!

Huhu – schön, dass du auf meinem Blog vorbeischaust! 🙂

Als ich das erste Mal durch eine Prüfung gefallen bin, dachte ich, dass ich die einzige bin, der so etwas passiert ist. Und dass ich dümmer bin als die anderen bzw. zu dumm bin für das Studium. Aber ich werde dir heute beweisen, dass du nicht alleine bist, durchfallen absolut nichts schlimmes ist und man Chemie, Physik und co auch schaffen kann, wenn man es in der Schule abgewählt hat!

Ich habe Chemie nur in der 7. Klasse gehabt und konnte es direkt danach abwählen. Auch Physik konnte ich nach wenigen Jahren abwählen. Und ja, das geht so in Brandenburg! Da ich damals noch nicht wusste, dass ich später einmal Medizin studieren möchte, habe ich meine Fächer nach Lust und Laune gewählt – und in Naturwissenschaften war ich eine absolute Niete, also waren das die ersten Fächer, die ich rausgeschmissen habe.
Als ich dann zum Medizinstudium zugelassen wurde, dachte ich, dass ich das schon irgendwie hinkriegen werde. Aber als ich dann in der zweiten Chemie Vorlesung saß wurde mir klar, dass das ein seeeehr langer und vor allem harter Weg wird. Die erste Vorlesung war echt in Ordnung, denn es ging um Elemente, das Periodensystem und was Chemie überhaupt ist. Eigentlich ganz angenehm, besonders für mich als Ahnungslose. In der zweiten Vorlesung hatte ich dann das Gefühl 3 Wochen verpasst zu haben, denn von 0 auf 100 war ich komplett raus. Von da an war ich nur noch in der Vorlesung um meine Freunde zu sehen, zu quatschen, danach in die Mensa zu gehen und die Lücken in dem Skript auszufüllen, ach und um mir die Experimente anzuschauen, auch wenn ich keinen Schimmer hatte, was sie dort zusammen mixen. Physik lief an sich nicht ganz so hoffnungslos ab, aber am Ende war es fast noch schlimmer. Die Vorlesungen waren wirklich super, ich hab vieles verstanden (dachte ich zumindest) und habe alles mitgeschrieben, mir die Experimente angeschaut und gedacht, dass das eigentlich machbar ist. Das dachte ich so lange, bis ich die Seminaraufgaben vor mir zu liegen hatte. Also entweder habe ich in der Vorlesung 90% verpasst oder ich habe doch nichts verstanden, denn ich wusste teilweise nicht mal den Ansatz für die Aufgaben. Als ich dann verzweifelt meinen Papa angerufen habe und er mir versucht hat ein bisschen was zu erklären, wurde nicht nur mir, sondern auch ihm klar, dass ich bei 0 anfangen muss und absolut kein physikalisches Verständnis habe.
Als dann der erste Teil der Physik-Klausur im Dezember anstand, hatten wir für 20 Aufgaben 30min Zeit. Als der Prof „noch 5min“ sagte, war ich gerade bei Aufgabe 5 angelangt – hahaha blöd gelaufen! Noch im Hörsaal habe ich mir mit meiner Freundin Lisa einen Shot hintergehauen und bin mit dem Wissen, dass das auf jeden Fall ein Satz mit X war aus der Prüfung gegangen. Kurze Zeit später habe ich dann meinen Eltern am Telefon mein Leid geklagt und erzählt, wie beschissen das gelaufen ist und dass ich das alles niemals schaffen werde .. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass es vielen so ging wie mir. Im Laufe der Woche bekam ich dann immer häufiger mit, dass sich so gut wie alle Kommilitonen über die Klausur aufgeregt haben und alle denken, dass sie eine niedrige Punktzahl erhalten werden. Als dann endlich (wobei ich es eigentlich gar nicht wissen wollte) die Ergebnisse online standen, waren plötzlich so gut wie alle erleichtert, weil sie „ganz zufällig“ doch ziemlich viele Punkte erreicht haben und somit glücklich und erleichtert waren. Nachdem ich dann zu Hause gesehen habe, dass ich wie erwartet ziemlich wenig Punkte erreicht habe (es waren zwar mehr als gedacht, aber trotzdem zu wenig), habe ich mich echt beschissen gefühlt, denn alle anderen haben doch auch gesagt, dass es so blöd war und dann doch eine tolle Punktzahl erreicht .. und irgendwie hat man doch innerlich dann doch ein bisschen Hoffnung, dass es bei einem genauso ist, oder? Aber: Man sollte sich niemals mit Kommilitonen vergleichen. Niemals! Und man sollte sich auch nicht auf alles verlassen, was sie sagen. Das war eine meiner ersten Lektionen, die ich gelernt habe. Denn irgendwie erschien es mir schon komisch, dass einige immer behauptet haben, dass sie „noch fast gar nichts gelernt“ hätten und sie immer erst ein blödes Gefühl haben und dann mit fast voller Punktzahl bestehen. Warum das so ist, wüsste ich auch gerne, denn ich habe das Gefühl, dass das bei unserem Studiengang nochmal extremer ist. Viele haben ein Problem damit ehrlich zu sein und zu zugeben, dass sie viel gelernt haben und trotzdem auch mal versagen bzw. allgemein zu zugeben, was sie alles investieren. Ich denke, dass wenn alle ehrlich sein würden, würde eine angenehmere Atmosphäre herrschen und man hätte weniger Druck, aber ich selber habe das gleiche Problem. Denn wer gibt schon gerne zu, dass er nicht wie alle anderen eine hohe, sondern eine niedrige Punktzahl bekommen hat, obwohl man viel gelernt hat?
Insgesamt bin ich dann schlussendlich durch die Klausur in Physik mit 2 Punkten durchgefallen. Die meisten haben bestanden, außer ich. Das war echt blöd, vor allem, da es so knapp war und ich mich gefragt habe, warum manche eine Punktlandung schaffen und ich das Pech habe und mit 2 Punkten durchfalle.
Die Nachklausur war im Oktober. Den September habe ich genutzt und jeden Tag 1-2h gelernt. Ich habe nochmal von 0 angefangen und gemeinsam mit 2 Kommilitonen gelernt. Ich habe mir einen Lernplan gemacht und bin erst die gesamte Theorie nochmal durchgegangen und habe dann alle Formeln gelernt und gerechnet bis zum Erbrechen. Ich habe bestanden und bin sehr stolz darauf, denn ich habe sogar ziemlich gut bestanden und das, obwohl ich anfangs gar keine Ahnung hatte, Physik abgewählt habe und eine absolute Physik-Niete bin. Ich habe es geschafft, als kannst du das auch! Wenn man sich die Zeit nimmt und Thema für Thema ohne Druck in Ruhe durcharbeitet, Videos schaut, Kommilitonen fragt (die erklären das sowieso am besten), die Formeln auswendig lernt (und das nicht erst 2 Tage vorher, sondern kontinuierlich ohne Stress) und dann rechnet, rechnet, rechnet, dann kann man das definitiv schaffen! Man muss nur ehrlich sein und zugeben, dass man das nicht kann und nicht versteht und Hilfe braucht, auch wenn das eine Menge Überwindung kostet.
Bei Chemie lief es ähnlich ab. Ich habe mir 2 Wochen vor der Klausur eine „Nachhilfelehrerin“ aus den höheren Semestern geholt und mit ihr grob die Theorie besprochen, denn ich hatte das Gefühl, dass mir komplett die Basics fehlen, um überhaupt irgendwas zu verstehen. Trotzdem bin ich auch in Chemie mit 1 Punkt durchgefallen. Aber darauf war ich damals sogar ein bisschen stolz, denn ich hätte niiiiemals gedacht, dass ich bei Chemie überhaupt in die Richtung des Bestehens komme. Trotzdem war es unterm Strich natürlich erneut verdammt ärgerlich – nur ein einziges Kreuz hätte ich anders setzen müssen! Die Nachprüfung für Chemie hatte ich am Ende des 2. Semesters mitten in der Klausurphase. Ich habe mich mit ein paar anderen Kommilitonen zusammengetan und mich 1mal pro Woche mit ihnen getroffen, die Theorie besprochen und in der Woche davor geübt. Bei Chemie war das A und O das Verständnis und die Altklausuren. Irgendwann hat mir Chemie sogar ein bisschen Spaß gemacht, weil ich auf einmal was verstanden habe und Dinge Sinn gemacht haben. Und spätestens als ich die ersten Aufgaben lösen konnte, habe ich gemerkt, dass es voran geht. Im Zweitversuch habe ich Chemie dann bestanden. Ich bin mit viel mehr Sicherheit an die Klausur rangegangen, weil ich wusste, dass sich mein Wissen deutlich erweitert hat und ich auf einem ganz anderen Stand bin. Das hat mir Selbstbewusstsein gegeben und das Bestehen der Klausur, war dann auch noch das i-Tüpfelchen oben drauf.
Ich kann noch zwei weitere dieser Geschichten erzählen und ich denke, dass im Laufe des Studiums werden noch deutlich mehr hinzukommen.
Das wichtigste ist: Nicht aufgeben! Man darf sich nicht unterkriegen lassen, sondern muss immer wieder aufstehen, egal wie hart das ist. Diese Niederschläge lassen einen viel mehr wachsen als die Erfolge. Als Ärzte müssen wir auch mit Verlusten umgehen können. Besonders für Leute, die während dem Abitur keine Misserfolge einstecken mussten, ist durchfallen eine ziemlich harte Lektion. Und genau so war und ist es auch für mich. Aber von Mal zu Mal habe ich gelernt besser damit umzugehen und wurde dadurch viel stärker. Selbst wenn ich irgendwann rausfliegen sollte und das Studium nicht schaffen sollte (wovon ich nicht ausgehe – Hoffnung stirbt zuletzt!), dann habe ich trotzdem eine Menge gelernt und damit meine ich nicht nur den ganzen Stoff, sondern auch den Umgang mit Niederschlägen.
Es ist schwer wieder aufzustehen, ich weiß. Nachdem ich das erste Mal durchgefallen bin, dachte ich, dass die Welt untergeht und ich jetzt abbrechen werde. Schlussendlich ging es mir 1 Woche lang scheiße, bis ich darüber lachen konnte. Beim zweiten Mal durchfallen ging es mir dann nur noch 2 Tage scheiße und beim dritten Mal habe ich nur einmal kurz geschluckt. Ich habe es also von Mal zu Mal gefasster gesehen. Und nachdem ich dann die erste Nachholprüfung bestanden habe, wurde mir klar, dass man das packen kann und auch noch beim 2. Versuch bestehen kann. Und dass das im Endeffekt keinen Unterschied macht, ob man es beim ersten oder zweiten oder auch dritten Mal besteht, denn unterm Strich zählt nur, dass man es besteht und es interessiert auch keinen, bei welchem Versuch man das geschafft hat. Ich muss sogar sagen, dass mir das mit Physik und Chemie super viel gebracht hat, denn beim 2. Mal lernen, habe ich vieles viel besser verstanden, was für Physiologie und Biochemie echt nützlich ist. Vor allem bei Physik hilft es mir sehr, da ich die Nachprüfung ja erst im Oktober hatte und es somit noch ziemlich frisch ist. Außerdem merkt man sich das, was man doppelt gelernt hat und einmal falsch gemacht hat doch bekanntlich am besten 😀

Also lasst euch nicht unterkriegen und verzweifelt nicht. Ihr seid nicht die einzigen und durchfallen, ist etwas völlig normales. Es gehört dazu und lässt dich wachsen und stärker werden.

Falls du noch Fragen hast oder dir unsicher bist, kannst du mir gerne eine DM schicken!

Liebe Grüße,
Stephy 🙂



Leave a comment :)

avatar
  Abonnieren  
Notify me, please!