1. Semester? Check!

1. Semester? Check!

Hallo ihr Lieben,

leider ist mein Plan, auch während der Vorlesungszeit weiterhin aktiv auf meinem Blog zu sein nicht so ganz aufgegangen. Aber jetzt habe ich es geschafft und das erste Semester liegt hinter mir. Also werde ich die Zeit jetzt nutzen und direkt drauf los schreiben!

Für mich war das erste Semester wirklich schwer. Damit meine ich nicht unbedingt den Lernstoff, sondern das alles insgesamt und drumherum. Aber jetzt, wo ich es geschafft habe, muss ich zugeben, dass es auch verdammt lehrreich war. Ich habe mir einfach viel zu wenig zugetraut und zu wenig vertraut.
Angefangen hat alles mit den ersten Vorlesungen. Ich saß in dem Vorlesungssaal mit 300 Kommilitonen und hatte keinen blassen Schimmer, was der Bioprofessor da vorne erzählt. In dem Moment habe ich gedacht, dass wenn ich nicht mal die 1. Vorlesung von Bio, dem einzigen Fach (von denen, die ich in der Uni habe), dass ich nicht vor dem Abi abgewählt habe, verstehe, dann kann ich eigentlich direkt abbrechen. Aber vor Beginn des Studiums habe ich mir geschworen, dass ich mindestens ein Semester durchziehe, komme was wolle! Also ging es weiter. Zu den meisten Vorlesungen habe ich mich ziemlich lange hingeschleppt, auch wenn ich z.B. in Chemie so gut wie nichts verstanden habe oder wie in Terminologie mehr gequatscht als zugehört habe oder wie manchmal in Anatomie: kaum bin ich durch den Türrahmen nach draußen gegangen, habe ich fast alles wieder vergessen. Tja, die Leute aus den höheren Semestern hatten halt doch recht: wenn man merkt, dass einem die Vorlesungen nicht so wirklich was bringen, dann sollte man wirklich einfach nicht hingehen und die Zeit sinnvoll nutzen. Aber da ich noch ziemlich in diesem „Schul-Ding“ war, konnte ich es Ewigkeiten nicht mit meinem Gewissen vereinbaren nicht zu Vorlesungen zu gehen. Aber im Nachhinein war das ziemlich doof von mir. Ich hätte die Zeit wirklich sinnvoller nutzen können, denn besonders bei der Klausurvorbereitung habe ich gemerkt, dass ich so gut wie alles nochmal ausarbeiten musste und mich nur an einen Bruchteil erinnern konnte. Unterm Strich hätte ich die Zeit, in der ich eigentlich die Vorlesung gehabt hätte nutzen können, um sie zu Hause auszuarbeiten und hätte Zeit gespart – mein Zukunfts-Ich, das dann in der Klausurenphase alles nochmal ausarbeiten musste hätte es mir sicher gedankt 😀 Aber hey, jetzt weiß ich es für das nächste Semester!

Eine weitere Sache, die ich während des ersten Semesters gelernt habe ist, dass man es alleine nicht schaffen kann. Sich die Arbeit aufzuteilen und gemeinsam zu lernen bringt soooo viel! Ich habe zwar eine Weile gebraucht, bis ich meine „Crew“ gefunden habe, aber es hilft wirklich. Und nicht nur das Lernen und die Arbeitsaufteilung ist hilfreich, auch das Reden über das Studium. Alle sitzen im gleichen Boot und haben die gleichen Sorgen, Ängste und Probleme – geteiltes Leid ist halbes Leid! Keiner versteht einen so gut, wie diejenigen, die gerade das gleiche erleben. Anfangs habe ich immer gedacht, dass alle anderen das Studium total in Ordnung finden und ich die einzige bin, die absolut überfordert ist und dass alle alles gut verstehen und schon viel mehr können und ich die einzige bin, die hinterher hängt und kaum was versteht – aber so ist es nicht! Nicht alles, was von außen so super erscheint ist es auch. Natürlich zeigt es keiner, aber sehr, sehr viele haben genau die gleichen Probleme mit dem Studium und sind genauso überfordert. Aber das fällt immer erst dann auf, wenn man den ersten Schritt macht und es zugibt, denn dann trauen sich auch die anderen und auf einmal muss man lachen, weil einem dann bewusst wird, dass es den anderen ganz genauso geht! Man muss nur erstmal den Mut haben ehrlich zu sein und zu zugeben, wie es wirklich läuft. Man sollte sich jedenfalls nicht von diesen ganzen „perfekten Strebern“ blenden lassen, denn oft ist das nur der Schein. Keiner will am Anfang zugeben, wie schwer und überfordernd das alles ist. Die meisten von den Medizinstudenten waren die besten in ihrem Jahrgang, die anderen haben jahrelang für ihren Studienplatz gekämpft und meist schon eine Ausbildung und viel Vorwissen. Das war bzw. ist für mich ziemlich einschüchternd. Aber man darf nicht vergessen, dass man selber auch dazu gehört! Also habt Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein!
Aber genau so wichtig ist es, sich Leute außerhalb des Studiums zu suchen, mit denen man über alles außer das Studium reden kann. Denn Medizinstudenten verfallen gerne in den Zustand, dass sie immer nur über das Studium reden und das alles ist, was sie verbindet. Für mich sind daher mein Freund und auch Freunde von früher so wichtig! Es tut auch richtig gut über andere Sachen zu reden oder einfach was zu unternehmen und das Studium für einen kurzen Moment auszublenden. Denn man darf nie vergessen, dass man auch ein Leben außerhalb der Uni hat.
Versagen – oh ja, auch das gehört dazu. Besonders für die, die ein gutes Abi gemacht haben und dadurch fast alle Tests/Klausuren immer mit 1 bestanden haben, ist das erstmal eine ganz schön große Umstellung. Und dazu gehöre auch ich. Aber diese Erfahrung bringt einen so viel weiter, als einfach jedes Mal beim ersten Versuch zu bestehen. Als ich diese Erfahrung machen durfte, war ich anfangs ganz schön fertig und habe die Welt nicht mehr verstanden. Ich habe Selbstzweifel bekommen und .. eigentlich Zweifel an so ziemlich allem. Aber ein paar Tage später habe ich verstanden, dass ich durch diese Erfahrung und dieses Gefühl gewachsen bin und gestärkt wurde. Ich habe mein Selbstbewusstsein zurück und bin gewappnet, denn falls es nochmal passiert, ist es für mich nichts neues mehr. Versagen ist absolut nichts schlimmes, aber das weiß ich auch erst jetzt im Nachhinein. Das Studium hängt von so vielen Faktoren ab: wie der Professor drauf ist, welche Gruppe du bekommst, ob du einen guten oder schlechten Tag hast, ob das Thema, was du kannst dran kommt oder ausgerechnet das, was du nicht gelernt hast usw., daher muss dieses „Versagen“ nicht mal unbedingt an einem selber liegen. Wichtig ist nur, dass man weiter macht und positiv denkt – auch wenn das in dem Moment unmöglich erscheint 🙂
Was mir im ersten Semester echt schwer gefallen ist, war es Sport oder Yoga zu machen oder irgendwas zu unternehmen ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Und meine Freizeit ohne schlechtes Gewissen zu genießen nehme ich mir auf jeden Fall für das neue Semester vor.
Achso, ein weiteres lustiges Ereignis war, dass nicht unbedingt die Fächer, bei denen man denkt, dass sie in einer absoluten Katastrophe (Klausur) enden, auch in einer enden, sondern besser laufen, als die Fächer, bei denen man gar keine Sorgen hatte.

Das war ein kleiner Einblick in mein erstes Semester. Ich habe viel (ich glaube so viel habe ich nicht in 3 Jahren Schule gelernt) gelernt, über naturwissenschaftliche Fächer und den Menschen, aber auch über mich. Ich habe viele neue Vorsätze (trotz Klausuren zu kochen und gesund zu essen, kein schlechtes Gewissen während der Freizeit usw.) und bin gespannt, wie es wird und weiter geht!

Eure Stephy 🙂



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Johanna
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Johanna

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