Praxistage bei meiner Patenärztin 2.0

Praxistage bei meiner Patenärztin 2.0

Hey! Schön, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast 🙂

Heute möchte ich dir gerne von den zwei Praxistagen in den Sommersemesterferien bei meiner Patenärztin erzählen:

Am Mittwoch früh um 6 Uhr ging es von Leipzig mit dem Auto los Richtung Plauen. Dort erwarteten mich bereits die Arzthelferinnen, die mir kurz erklärten, wie die Tage so ablaufen werden. Es war toll alle wiederzusehen, denn das letzte Praktikum ist ja schon wieder ein halbes Jahr her gewesen. Nach einem kurzen Smalltalk saß ich auch schon im Behandlungsraum und habe bei der Anamnese zugehört. Meine Ärztin hat mir nach jedem Patienten/Patientin noch einmal in Ruhe das Krankheitsbild erklärt und mir die Chance gegeben Fragen zu stellen. Bevor der nächste Patient/Patientin reinkam erzählte sie mir kurz ein paar wichtige Fakten über den Patienten, sodass ich verstanden habe worum es geht und dem Gespräch folgen konnte. Zum Blut abnehmen, EKG anschließen und Urinproben auswerten durfte ich gemeinsam mit einer Arzthelferin mit ins Labor gehen und alles selber ausprobieren. Anfangs musste ich mich erstmal wieder reinfinden und habe mich nicht direkt beim ersten Patienten ans Blutabnehmen gewagt, sondern habe erstmal zugeguckt. Aber spätestens nach dem dritten Patienten hat es mir dann in den Fingern gekribbelt, sodass ich von da an selber tätig wurde 😀

Da meine Patenärztin mit einem weiteren Hausarzt eine Gemeinschaftspraxis hat, dieser aber an beiden Tagen nicht da war, hatte ich die tolle Chance mich in sein Zimmer zu setzen, Patienten aufzurufen und die Anamnese (inklusive Blutdruck messen oder Lunge auskultieren etc.) zu übernehmen. Ich musste dabei natürlich alle Informationen mitschreiben und mir eine mögliche Behandlung/Diagnose überlegen. Sobald ich fertig war, habe ich meine Patenärztin aus dem Nebenzimmer gerufen und ihr den Patienten/Patientin mit Anamnese und möglichen Ideen vorgestellt. Natürlich hat sie alles nochmal selber überprüft und dann eine eigene Entscheidung getroffen. Aber es war toll das Ganze einfach mal alleine zu probieren, ohne irgendjemanden im Nacken stehen zu haben, der einem über die Schulter schaut und somit das Nervositätslevel steigert. Es waren kleine Erfolge, wie z.B. ein richtiger Ansatz der Diagnose oder ein Kompliment der Patienten, die mich wieder motiviert haben das Studium weiter durchzuziehen.
Kurz vor der Mittagspause standen dann noch ein paar psychoonokologische Gespräche, bei denen ich zuhören und Fragen stellen durfte an. Auch das war sehr interessant und beeindruckend, denn dabei habe ich mal wieder gemerkt, wie facettenreich der Beruf als Hausarzt sein kann und dass es dort nicht nur „husten und schnupfen“ gibt.
Nach der Mittagspause, in der ich das schöne Wetter genutzt habe und ein wenig durch Plauen gelaufen bin habe ich dann mit einer Assistenzärztin gemeinsam Hausbesuche gemacht. Natürlich waren fast alle Patienten etwas älter und hatten oft nichts Spezifisches, aber es war schön zu merken, wie wichtig es für die Patienten (und auch für die Angehörigen) war, dass man da war und nach ihnen geschaut hat.

Am Abend stand dann die eine Weiterbildung der Ärzte (besonders Hausärzte) Sachsens auf dem Plan. Denn meine Patenärztin hat gemeinsam mit dem Arzt ihrer Gemeinschaftspraxis ein neues Projekt ins Leben gerufen, das an diesem Abend startete. Bei dem Treffen schauten wir uns zu Beginn eine Einrichtung an, die diverse praktische Erfindungen für Demente, körperlich Behinderte etc. anbietet. Dabei wurden wir von der Leiterin herumgeführt und haben wirklich interessante Fakten zu den einzelnen Geräten erzählt bekommen. Im Anschluss hielt einer der Ärzte einen kurzen Vortrag über wichtige Zahlen und Fakten über die Ärzte in Sachsen (Ärztemangel, Praxen etc.). Und damit begann auch direkt unsere Diskussion. Im Raum stand die Frage, wie Studierende dazu gebracht werden, nicht nur das Interesse an der Chirurgie und Krankenhäusern zu haben, sondern auch für landärztliche Praxen und allgemein für ländliche Regionen oder den Beruf Hausarzt. Denn das Problem ist, dass fast alle Studenten in die großen Städte wollen und kaum noch jemand aufs Land. Wir haben versucht herauszufinden, was der Grund dafür ist und was wir verändern können. Besonders interessant war, dass es sowohl Chefärzte, als auch Hausärzte, Assistenzärzte und PJ Studenten (und mich als 3. Semesterstudentin) gab. Dadurch waren alle Meinungen einbezogen und auch alle Generationen vertreten. Somit stand einer langen, spannenden Diskussion nichts mehr im Wege. Anschließend habe ich den Abend mit meiner Patenärztin und dem Arzt ihrer Gemeinschaftspraxis in einer gemütlichen Bar ausklingen lassen.

Der nächste Tag begann erneut mit Anamnesegesprächen und allgemeinen Untersuchungen (Blut abnehmen, EKG anschließen, …) und endete für mich mit der Mittagspause.
Somit stand die Fahrt zurück nach Leipzig zu Sam und Chris an. Mit einem Kopf voller Eindrücke und neuer Motivation stand ich nach 1,5h in der Tür und war wirklich froh, dass ich die „lange“ Fahrt auf mich genommen habe und wieder so tolle, erlebnisreiche und vor allem wissensreiche Tage hatte.

Ich hoffe ich konnte euch ein bisschen mitnehmen und vielleicht auch motivieren aus Eigeninitiative einfach Ärzte anzusprechen und nach Praktika zu fragen. Besonders die Hausärzte freuen sich über jeden Studenten, der ein bisschen Interesse an der Fachrichtung zeigt. Denn wie ihr sicherlich schon wisst, gibt es einen enormen Hausärztemangel. Außerdem ist ein eindeutiger Vorteil, dass sich ein Hausarzt eher Zeit für euch nehmen kann, als ein Oberarzt in einer großen Klinik und ihr somit mehr mitnehmen und lernen könnt.

Aber überzeugt euch selbst.
Und für alle, die den Blogpost einfach so gelesen haben: Danke fürs Lesen! Ich hoffe ich konnte euch ein paar Einblicke hinter die Kulissen eines Hausarztes bzw. eines Medizinstudenten geben.

Habt ein schönes Wochenende!

Eure Stephy 🙂



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